IBA Parkstad – Leitprojekt 2020 für die Region

Samstag, 04. August 2012

Kolumne "Lokal. Regional. Global." in der Aachener Nachrichten/Aachener Zeitung vom 4. August 2012 von Stephan Baldin

Schon öfter wurde angeregt, dass die Region über ein neues Grossprojekt als Leitschnur für die nächsten 5-10 Jahre nachdenkt. Die geplante IBA in der Parkstad Limburg könnte eine Idee dazu sein.

Mancher reibt sich die Augen: Was ist die Parkstadt Limburg? Was eine IBA? Der Zweckverband aus Heerlen, Kerkrade, Landgraaf und 5 weiteren Gemeinden hat mit gut 250.000 Einwohnern zu den grössten Regionen der Niederlande aufgeschlossen, trotzdem wie die Region Aachen immer noch Peripherie. IBA bezeichnet ein (deutsches) Instrument zur Stadtplanung, nämlich „Internationale Bauausstellung“. IBA ist eine Art Weltmarke für regionale Vitalisierung, am bekanntesten die IBA Emscher-Park, die von 1989-1999 mit rund 2,5 Mrd. Euro das nördliche Ruhrgebiet neu aufgesetzt hat. Wir hatten mit der EuRegionale 2008 ein „Folgeprodukt“ der IBA in der Region, ein Erfolg, wenn auch mit Haken und Ösen. Sie erinnern sich: 130 Millionen Euro flossen in die Region und haben einen grossen regionalen Lernprozess angestossen, der muss weiter gehen.

Der IBA Parkstad geht es um Stärkung der regionalen Struktur, Profilierung der gesamten Grenzregion. Die demographische Entwicklung schlägt bei unseren Nachbarn deutlich negativer zu als bei uns. Ausgangspunkt dieser niederländischen IBA ist darum die schrumpfende Stadt. Unsere Nachbarn in Heerlen setzen die Weltmarke IBA ganz bewusst ein, um das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. In vielen grenzüberschreitenden Projekten habe ich erfahren, dass die Niederländer manches positiver und mit mehr „aanpak“ machen als wir auf der deutschen Seite.  

Blicken wir auf die drei Hauptthemen der IBA Parkstad: RecycleStad. Nutzung von Rückbaumaterial ist der Einstiegsgedanke in eine Kaskade von neuen Ansätzen, vor allem innovative Stoffkreisläufe. Der Umgang mit Leerständen oder Brachflächen kann wichtiger Handlungsparameter im Klimawandel werden. Der Begriff Parkstad bekommt so eine erweiterte Bedeutung.  

Seit Jahrzehnten lösen wir alle Probleme (vermeintlich) mit mehr Wachstum. Wenn man Rückgang als feste Grösse setzt, muss man anders denken. Dieses neue Denken wird in alle Sektoren regionalen Handelns abstrahlen. So entsteht eine andere, neue Qualität – eben die flexible Stadt.  

EnergieStad. Das ist der wichtigste Ansatzpunkt für die deutsche Seite: Die IBA als Energielandschaft. Know How zum Thema Energie ist eine der Kernkompetenzen unseres Raumes. Und zwar sowohl historisch wie auch weit in die Zukunft gerichtet. Die IBA kann eine aussergewöhnliche, langlebige Präsentationsplattform für diese Kernkompetenz werden.  

Die IBA Parkstad ist keine Luftnummer, das Startbudget von 45 Mio. Euro ist fast gesetzt. Die  Start-Phase ist eine gute Zeit, um sich einzubringen. Was haben wir auf der deutschen Seite davon: Der Scheinwerfer der IBA kann sehr gut auch unsere Strukturen international beleuchten, von  Campus-Entwicklung bis zur Energielandschaft indeland. Wir bekommen einen besseren Anschluss an die Agglomerationsräume im Westen (Randstad, Brabantstad, Energy Valley) und brauchen weniger auf die Kölner und die Rheinschiene schielen. Schliesslich können wir vom niederländischen „aanpak“  in jedem Projekt immer nur lernen. Kurz: Wir müssen bei der IBA dabei sein.

 

PS: Eine deutsche Zusammenfassung der IBA Website finden Sie unter www.aachener-stiftung.de/iba.html 



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