Willkommen im größten globalen Experiment der Geschichte der Menschheit!

Mittwoch, 23. Januar 2013

BP braucht sich noch nicht so bald zum „Beyond Petroleum“ – Konzern umzubauen. Am 16. Januar 2013 sagte der BP Energy Outlook 2030 Peak Oil einstweilen ab. Im Gegenteil sogar, ein wachsender Einfluss der fossilen Energieträger Öl und Gas wird prognostiziert. Wasser auf die Mühlen derer, die Peak Oil schon immer für Unsinn gehalten haben: Ist der Öl- oder Gaspreis nur hoch genug, werden die fleißigen Ingenieure schon eine Möglichkeit finden, noch mehr Öl mit immer raffinierterer Technik aus dem Untergrund zu kitzeln.

Nun soll es also die unkonventionelle Fördertechnik von Öl und Gas richten. Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Welt da zu erwarten hat, lieferte ausgerechnet BP vor knapp 3 Jahren im Golf von Mexiko. Aufgrund schwerer Versäumnisse der beteiligten Firmen kam es zu einem Blowout von Öl aus großer Meerestiefe. Das Leck konnte über lange Zeit nicht gestopft werden, zu widrig waren die Bedingungen in gut 1.500 m Wassertiefe. Die Menge ausgetretenen Öls ist nicht bekannt. Der Blowout von Deepwarter-Horizon gehört aber sicher zu den größten bislang im Ölbusiness aufgetretenen Unglücken.

Viele neue Ölquellen, auf die sich die optimistische Vorhersage von BP stützt, liegen in ähnlich ungemütlichen Gewässern: Vor Ostgrönland, vor der brasilianischen Ostküste, und so weiter. Wenn ein solcher Blowout in arktischen Gewässern größere Mengen Öl freisetzt, wären die Auswirkungen weit katastrophaler als im Golf von Mexiko. Wegen der geringen Meerestemperatur würde das Öl dort kaum noch biologisch abgebaut, zudem ist die arktische See extrem fischreich.

Die andere Zaubertechnik ist das „Fracking“. Alle paar Quadratkilometer wird ein Loch in eine Erdschicht hineingebohrt, die Öl fein verteilt enthält. Also keine Lagerstätte, eher ein Gestein, aus dem vielleicht in geologischen Zeiträumen noch mal eine Lagerstätte entstehen kann. Dort wird dann die Bohrrichtung auf horizontal gestellt, man bohrt ein gutes Stück weiter, immer in der ölhaltigen Schicht. Weil in der kleinen Bohrung selbst nur wenig Öl zu holen ist, muss es dazu bewegt werden, sich in der Bohrung zu sammeln. Dies wird mit Fracking versucht: Eine spezielle Flüssigkeit wird mit gewaltigem Druck in die Bohrung gepumpt. Dadurch entstehen im Untergrund kleine Risse, durch die sich das Öl bewegen kann. Ob die eingesetzten Flüssigkeiten umweltschädlich sind oder nicht, ist Gegenstand heftiger Fachdiskussion. Ein anderer Nachteil des Fracking ist, dass die Bohrungen schnell kein Öl mehr fördern. Die Öl-Karawane zieht dann einfach ein paar Kilometer weiter und bohrt das nächste Loch. Zurück bleibt ein ziemlich großer planierter und von jeder Vegetation befreiter Boden und eine völlig unnütze Baustraße. Außerdem ist im Untergrund immer noch die Fracking-Flüssigkeit. Ob und wie sie die tiefen, bislang völlig unberührten Grundwässer schädigt, ist nicht bekannt. Wer wissen will, wie es auf einem Fracking-Feld aussieht, braucht sich nur Fotos aus North-Dakota anzusehen, vom Bakken Oilfield.

Ok, Peak Oil scheint auf unabsehbare Zeit verschoben. Der Preis ist eine umgepflügte Natur. Und weiter steigende CO2-Emissionen. Die Eindämmung des Klimawandels ist abgesagt. Zu verlockend sind die mit dem Facking-Boom verbundenen wirtschaftlichen und geopolitischen Chancen nicht nur für Amerika.

Vergessen wir also Zwei-Grad-Ziele und Klimakonferenzen. Willkommen im größten globalen Experiment der Geschichte der Menschheit!

 



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