Tagebau Inden

Der Abbau der Braunkohle und ihre Verstromung - ein kritisches Thema der Landespolitik in NRW. Die Aachener Stiftung kann neue konstruktive Ansätze liefern.

Das waren die Eckpunkte, als die Stiftung 1999 die Moderation rund um den Braunkohlentagebau Inden zusagte: 

  • Ökologische Problematik durch sehr hohe CO2 Belastungen 
  • die Frage, wie man in 30 Jahren mit einem gigantischen Restloch umgeht, das nur mit 1.400 Millionen Tonnen Material verfüllt werden könnte 
  • die flächenmässig größte Veränderung von Landnutzung in Westeuropa 
  • extrem langfristige Planungshorizonte über Jahrzehnte 

Diese komplexe Aufgabe wurde mit 17 Jahren das am längsten laufende Projekt der Stiftung. 

Zusammen mit den Bürgern der Region leitete die Stiftung Visionen einer nachhaltigen regionalen Entwicklung her. Eine Vielzahl von Projekten, die weit in folgende Jahre reichen, sind aus diesem Rahmenprozess entstanden. 

Ungewöhnlich ist die Rolle der Stiftung bei diesem Prozess im Konzert der kommunalen/regionalen Akteure. Zu Ende der neunziger Jahre wurde im Raum Inden erkannt, dass die aktuell geltende Braunkohlenplanung, die den Geist der sechziger Jahre atmete, heute nicht mehr sozial verträglich war. Eine Änderung der Braunkohlenplanung war jedoch politisch nicht umsetzbar. Mithilfe der Stiftung wurde unter dem Leitgedanken der nachhaltigen Entwicklung die Vision eines neuen Landschaftstyps formuliert: die "Wasserlandschaft Inden". Eine der Prämissen für diese Vision war, dass das Restloch des Tagebaus nach dessen Auskohlung nicht - wie ursprünglich geplant - verfüllt wird, sondern der erste "Rest-See" des Rheinischen Revieres entsteht. Die Stiftung stieß mit eigenen Mitteln Ansätze zur Konzept- und Masterplanung an. Als sich abzeichnete, dass sich ein regionaler Konsens zugunsten dieser Lösung bildet, übergab die Stiftung die weitere Moderation und Leitung des Projektes zurück an die kommunalen Akteure. Im Jahr 2008 erfolgte der regional-politische Beschluss, dass die Braunkohlenplanung in Richtung eines Rest-Sees geändert wird: Der "Indesche Ozean" war geboren.

Website

www.indeland.de

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Regionalplanung für die Folgelandschaft des Braunkohlenabbaus ist ein extrem langfristiger Prozess, der normale Zeithorizonte sprengt: Der Restsee für den Tagebau Inden wird erst im Jahr 2050 vollendet sein. Neben allen Problematiken liegt eine große gesellschaftliche Chance in diesem langfristigen Prozess: Ferne Zukunft, die oft bedrohlich wirkt, kann durch die Taktung des Masterplans schrittweise erarbeitet werden und verliert somit ihre negative Besetzung. Die gemeinsame Entwicklung einer gesellschaftlichen Zukunftsperspektive kann so eine starke integrative Kraft entwickeln. Die Aachener Stiftung hat in diesem Prozess eine unabhängige, unparteiische Plattform, die eine breite Akzeptanz gewonnen hat, zur Verfügung gestellt. Dieses Vorgehen könnte Modell für andere ähnlich gelagerte gesellschaftliche Aufgabenstellungen sein. Wichtig ist, dass die Bürger auf diesem Weg mitgenommen werden.

Eine weitere These der Stiftung: wenn die Bürger aktiv in die regionale Zukunftsplanung eingebunden sind, werden sie auch ihre eigene Zukunft besser bewältigen können.

Die Stiftung hat im Jahr 2008 erstmals in Deutschland in einem regionalen Planungsprozess die Szenarienmethode eingesetzt, die als unternehmens-strategisches Planungsinstrument (vom Energieunternehmen Shell) entwickelt wurde. Lange Zukunftsprozesse sind nicht quantitativ erfassbar, man muss sich ihnen rein qualitativ nähern. Etwa mit Fragen: Wie sieht die Welt im Jahr 2050 aus? Wie werden meine Familie und ich im Jahr 2050 leben?

Bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen entstehen Bilder von der Zukunft. In intensiven jeweils einstündigen Gesprächen mit über 60 Meinungsbildnern der Region wurde eine repräsentative Gesamtschau dieser Zukunftsbilder erstellt. Die Methodik dieses Ansatzes wird auf einer eigenen Website erklärt (siehe www.regionalszenarien.de ).

Ergebnis und Kern des Projektes sind vier Geschichten, deren Erzählstrang vom Heute bis ins Jahr 2050 reicht. Die Namen dieser Geschichten: Abendland, Förderland, Ellenbogenland, Neuland.

Wichtig für den Bürgerbeteiligungsprozess ist, dass eine einfach erfassbare und gut diskutierbare Grundlage für Zukunftsplanung entstanden ist. Bei dem Beteiligungsprozess der Stiftung haben rund 3 % der Bevölkerung aktiv in verschiedenen Veranstaltungsformaten teilgenommen. Ein wertiges Arbeitsbuch begleitete den Prozess.

Website

www.regionalszenarien.de

Download der Szenarien Indeland2050

Filme 

Seit 2007 werden die Aktivitäten rund um den Tagebau Inden durch die vom Kreis Düren gegründete indeland Entwicklungsgesellschaft www.indeland.de gebündelt.

Die Stiftung war bis 2016 aktiv im Aufsichtsrat der Entwicklungsgesellschaft engagiert und hat Anfang 2017 ein wichtiges makroökonomisches Projekt der Stiftung (Faktor-X) zur Fortführung an die Entwicklungsgesellschaft auch mit personeller Unterstützung übergeben.

Anfang 2017 hat die Stiftung den gesamten Projektbereich an die neugegründete Faktor X Agentur der Entwicklungsgesellschaft indeland übergeben.

Die Stiftung hat mit einer Vielzahl ergänzender Projekte den Prozess rund um den Tagebau Inden weiter vorangetrieben. Gerade in kleinteiligen kommunalpolitischen Entscheidungen geht oft die „große Linie“ verloren. Hier können Teilprojekte helfen, die die Beteiligten zurück zum „roten Faden“ bringen.

Beispiele für solche Teilprojekte sind

  • Vorarbeiten für die Umsetzung der Vision „Wasserlandschaft Inden“ in einen konkreten Masterplan

  • Impulsveranstaltungen, die das gesellschaftliche Potenzial einer neuen Positionierung des Raumes rund um den Rest-See aufzeigen (“ Zukunftslabor“). Das Zukunftslabor hat sich als festes Veranstaltungsformat etabliert.

  • ökonomische Darstellung der Vermarktungsmöglichkeiten einer abgestimmten und optimierten Standortpolitik.

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Archiv - die historischen Projektseiten der alten Website zum damaligen Projektstand

2009: Indeland Szenarien
Anfang des 21. Jh. werden Entscheidungen über die Rekultivierung des Tagebaues Inden II getroffen. Sie betreffen eine Zeit, die damals über 40 Jahre in der Zukunft liegt, von der es keine Vorstellung in der Region gibt.
2009: Indeland
Im Rheinischen Braunkohlerevier, das rund 15% des deutschen Stroms liefert, müssen nach ressourcenintensivem Abbau der Kohle über 30.000 Hektar Tagebaufläche rekultiviert werden.